
Fantasia
Tabea Debus
Schon zu seinen Lebzeiten wurde Georg Philipp Telemann (1681–1767) wegen seiner Musikalität und Vielfältigkeit von seinen Kollegen hoch geschätzt. Dazu gehörten seine Fähigkeit, in rascher Folge Stücke zu komponieren, die sich wie Ohrwürmer in den Köpfen der Menschen festsetzten, sowie sein Gespür für Musik, Wirtschaft und Verlagswesen. Nicht zuletzt war Telemann für seinen modernen Zeitgeist bekannt, der es ihm ermöglichte, sich den sich wandelnden Musikgeschmack seiner Zeit und die Vorlieben seines Publikums anzueignen. Sein kompositorisches Schaffen umfasst Einflüsse und Musikmoden aus vielen europäischen Ländern, die er zum vermischten Stil, dem goût réuni, verschmolz.
Diese Stilmischung ist besonders ausgeprägt in seinen XII Fantasien für die Flöte ohne Bass (ca. 1733, Hamburg). Diese Fantasien für Flöte solo verbinden deutschen Kontrapunkt mit italienischer Virtuosität, französische und englische Tanzsätze mit polnisch geprägten Volkstänzen. Vielleicht ist es das, worauf sich Telemanns Titelwahl „Fantaisie” bezieht: eine fantasievolle, einfallsreiche, gewagte und fantastische Zusammenstellung musikalischer Sprachen. Dies lädt dazu ein, die anhaltende Relevanz dieser genialen Stücke zu erforschen, indem man das 21. Jahrhundert in das Mosaik der Kompositionsstile einfügt.
Tabea Debus hat zwölf zeitgenössische Stücke in Auftrag gegeben, die jeweils auf einer der Fantasien basieren. Alle diese neu komponierten Stücke sind Reflexionen über thematisches, harmonisches oder rhythmisches Material aus den Fantasien, eine (Neu-)Interpretation musikalischer Ideen, eine Antwort auf Telemanns musikalische Gedanken.
Dieses Konzert zielt nicht nur darauf ab, das ständig wachsende Repertoire für Solo-Blockflöte zu dokumentieren, sondern auch bisher „unbekannte“ Wege des Hörens von scheinbar „alter“ Musik aufzuzeigen. Es möchte die anhaltende Relevanz von Telemanns Musik im Allgemeinen und seiner Fantasien für Soloflöte im Besonderen aufzeigen.
»[…] Debus‘ eloquente Phrasierung und seine stets intelligente Musikalität, gepaart mit einer in der Musikszene selten anzutreffenden charismatischen Virtuosität, hauchen all diesen Werken Leben ein, unabhängig von ihrer Entstehungszeit und ihrem Ansatz. Es bedarf eines zutiefst begabten Künstlers, um das Anhören von vierundzwanzig Fantasien für Blockflöte solo, ganz zu schweigen von Telemanns zwölf, zu einem so fesselnden und lohnenden Erlebnis zu machen.«
Recorder Magazine, Vereinigtes Königreich (06/2018)
Werke von Telemann und zeitgenössischen Komponisten
SA, 16.5.26 | 21:30 | » Erlöserkirche






